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  • AutorenbildVivica

Feuer unterm Hintern


Als die Tage kürzer wurden hatte ich plötzlich ein unbändiges Verlangen nach Feuer. Ich wünschte mir etwas um mir das Herz zu erwärmen, ein wenig Feuer unter dem Hintern für all die Dinge denen mir die (zusätzliche) Kraft fehlte, ein prasselndes Feuer für gesellige Runden, eines für spannende Geschichten, eines für Marshmallows und glänzende Kinderaugen, eines für Rauhnachtrituale, ein weiteres um den Winter zu erhellen, noch eines um die Fackel hochzuhalten, eines um Zeichen zu setzen, noch eins um Signale zu senden und viele weitere Feuer, die lodern, glimmen, dimmen, leuchten, glänzen und knistern.

Ich wandte mich also an meinen Monsieur mit meinem Wunsch und ging davon aus auf offene Türen zu stoßen. Weit gefehlt. Der war gar nicht so Feuer und Flamme und begann dann mit einer endlosen Fragerei wohin denn nun mit dem Holz. Und eigentlich, woher denn mit dem Holz, denn das vom Baumarkt wolle er auf keinen Fall, das raucht immer nur... So ging es wochenlang hin und her und ich sehnte mich noch mehr nach einer wärmenden Quelle. Der Funke wollte einfach nicht überspringen und ich konnte gar nicht verstehen, dass er nicht auch so einen dringenden Wunsch wie ich hatte!

So saß ich eines Tages an einer Mail an eine Teilnehmerin für die innere Reise im Dschungel und schrieb ihr, dass wir dort nicht nur ihr inneres Feuer entzünden wollen. Und schon war es wieder da, mein Holz, im Kopf. Ich griff sofort zum Telefon und bestellte mir einen Sterr. Der nette Herr am anderen Ende sagte mir:" Wissen Sie, wir haben so viele Anfragen, dass wir nur noch ab 2 Sterr liefern, ich hätte aber gleich morgen Zeit." Hmm, dachte ich unwissend, wieviel denn genau überhaupt ein Sterr ist. So viel kann es ja nun auch nicht sein und außerdem habe ich doch jetzt so viele Wochen gewartet! Ich ergriff die Chance und sagte überglücklich zu.

Am nächsten Tag kam der Monsieur am Morgen aus dem Bad und eröffnete mir, dass er gleich zum Flughafen fährt da er für zwei Tage verreisen muss. Das Äffchen und das Seepferdchen schauten um die Ecke und fragten ganz entsetzt ob sie den Fotoapparat für so ein genial überraschtes Gesicht holen sollten. Nein, nein antworte ich, es geht schon, i´m just not amused...

Amused war ich dann um 12.17 am selben Tag. Ich lächelte noch in voller Vorfreude als der Transporter begann die Ladefläche abzusenken. Das Holz rutschte und rutschte und hörte gar nicht mehr auf. Mein Äffchen schaute ganz ernst und sagte:"Mama, das sieht aber nach seeeehhhr viel Holz aus!" Der Holzlieferant strahlte und sagte:"Ja, das sind zwei Sterr und da vertun sich die Damen des Hauses ganz gern." Ich sagte nichts, wie hätte er denn auch meinen unermesslichen Wunsch nach Wärme, Inspiration und in genau dieser Situation auch Erleuchtung verstehen können? Hat er ja jeden Tag genug Holz vor der Hütte.

Nein, statt dessen entschied ich mich ganz tief den Duft der Scheite einzuatmen. An dieser Stelle ist es vielleicht wichtig zu erfahren, dass mein geliebter Opa einen Holzhandel hatte und der Geruch von Holz eines der schönsten Kindheitserinnerungen für mich ist. Es ist ein bisschen wie als ob ich nochmal seine Hand halten würde.

Und dann ging es los. Wir räumten in null Komma nix die Garage auf. In jeden Winkel steckte ich die Scheite. Aber es waren immer noch so viele vor der Garage aufgetürmt. Wir gingen und machten platz auf der Terrasse. Aber noch immer wollte sich der gigantische 2 Sterr Berg nicht bezwingen lassen... Dann schickte ich das vollkommen erschöpfte Äffchen ins Haus zum Essen. Das Seepferdchen kam gerade um die Ecke als ich eine weitere Nische in der Garage gefunden hatte. Wir hievten und schoben wie die Weltmeisterinnen. Aber es war noch immer ein Holzberg und in meinem Kopf sah ich den Monsieur zurückkehren und den Kopf schütteln, ob so viel Holz-Enthusiasmus. Nun schickte ich das erschöpfte Seepferdchen ins Haus und dachte mir ganz viele motivierende Worte um nicht die Tränen der Erschöpfung, der Wut und der Überraschung einzuladen. Sie kamen trotzdem, uneingeladen und rannen vor sich hin. Das Seepferdchen steckte den Kopf aus der Türe und da es immer gute Ideen hat, lies es mich auch heute nicht im Stich. Es schlug vor das Holz vor dem Haus zu dekorieren und schwenkte, wie immer gut gelaunt auch schon ein rotes Schleifenband.

Unglaublich aber wahr, wir schafften es diese Unmenge unterzubringen. In der Nacht malte ich mir aus wie ich bald vor meiner Glut sitzen werde, es kam aber auch immer wieder der Monsieur in den Kopf, der ja auch gesagt hatte, Darling, wohin denn dann mit all dem Holz? Ich schrieb daraufhin eine Nachricht. Grob übersetzt ungefähr so: Vielleicht habe ich heute einen klitzekleinen Fehler gemacht, der dann ein wenig größer wurde als gedacht. Ich wollte es Dir jetzt schon schreiben, damit Du nicht überrascht bist und auch die Möglichkeit hast, bevor Du entsetzt reagieren könntest zu atmen. Ich ging einfach davon aus, dass ich den Fehler dringend benötige. Die Antwort folgte auf dem Fuße: Du hast das Holz bestellt und es wurde angeliefert!

Ja, es geht ja nix über einen Monsieur der seine Dame des Herzens sehr gut kennt, nicht wahr? Als er dann kam, ging er noch vor dem Koffer ins Haus stellen und ohne Begrüßung in die Garage. Das Äffchen und das Seepferdchen klebten am Fenster und berichteten von jedem Schritt, jeder Regung im Gesicht und ich stand mit geschlossenen Augen in der Küche und versuchte mir die Ohren zuzuhalten. Es half nix. 3 Minuten später kam er rein und meinte ganz trocken:"Ich hätte gedacht, dass Du mehr bestellt hast."

Das Äffchen schlich sich zu mir und flüsterte:"Er hat ja auch nicht alle unsere Nischen entdeckt!"

Damit das nicht passiert mache ich jetzt eifrig Stockbrot, besorge Marshmallows und lade den Monsieur zum gemütlichen am Feuer sitzen ein. Denn in den Rauhnächten war ich zu krank gewesen um mein loderndes Feuer zu feiern, an Weihnachten war ich zu müde gewesen und an Sylvester hatte es geregnet:-)

Das Seepferdchen meinte gestern, dass ich mich ja jetzt für lange Zeit glücklich atmen kann! Und das wünsche ich nun uns allen!!

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